Die Arbeiten im Livestock-Bereich entstehen aus konkreten Bedarfen der Praxis und werden gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben, Industriepartnern und Forschungseinrichtungen entwickelt. Ausgangspunkt sind reale Fragestellungen aus unterschiedlichen Produktionskontexten, die unter Praxisbedingungen analysiert und in enger Abstimmung mit den beteiligten Akteuren adressiert werden.
Im Mittelpunkt steht die Überführung komplexer biologischer Vorgänge in belastbare, nutzbare Informationen. Hierzu kommen bildgebende Sensorik, optische Messverfahren und KI-gestützte Analyseansätze zum Einsatz. Die entwickelten Lösungen sind nicht-invasiv, kontinuierlich einsetzbar und so ausgelegt, dass sie den laufenden Betrieb nicht beeinträchtigen.
Über alle Produktions- und Haltungssysteme hinweg liegt der Schwerpunkt auf der kontinuierlichen Beobachtung und belastbaren Bewertung tierbezogener Zustände. Digitale Verfahren erfassen physiologische, verhaltensbezogene und aktivitätsbasierte Merkmale automatisiert und ermöglichen es, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und im biologischen Kontext zu interpretieren.
Diese Zustandsbewertungen bilden eine zentrale Grundlage für das Haltungs- und Bestandsmanagement. Sie unterstützen die laufende Anpassung von Haltungsbedingungen, Fütterung, Besatzdichten und Managementroutinen und tragen dazu bei, Abweichungen frühzeitig zu identifizieren und gezielt zu adressieren. Damit verschiebt sich das Management von reaktiven Eingriffen hin zu einer kontinuierlichen, zustandsbasierten Steuerung.
Ein zentrales Gestaltungsprinzip ist der modulare Aufbau der Systeme. Einzelne Verfahren werden so entwickelt, dass sie sowohl als eigenständige Anwendungen als auch als Bausteine integrierter Monitoring- und Managementlösungen genutzt werden können. Die Erprobung erfolgt unter realen Bedingungen in unterschiedlichen Produktionsumgebungen, mit dem Ziel, Robustheit, Übertragbarkeit und Skalierbarkeit frühzeitig zu berücksichtigen.
Gleichzeitig werden tierbezogene Zustände so erfasst und bewertet, dass sie über Zeiträume, Bestände und Produktionsformen hinweg vergleichbar bleiben. Diese Vergleichbarkeit ermöglicht es, biologische Variabilität von systemischen Effekten zu trennen, Entwicklungen einzuordnen und digitale Lösungen über einzelne Standorte hinaus zu übertragen und zu skalieren. Die daraus abgeleiteten Informationen sind nicht nur für das betriebliche Management relevant, sondern auch überbetrieblich nutzbar, etwa zur Unterstützung von Audits und Zertifizierungen, zur Begleitung von Genehmigungs- und Berichtspflichten oder zur transparenten Kommunikation entlang von Liefer- und Vermarktungsketten.
Die Projektarbeiten im Livestock-Bereich sind dabei stets exemplarisch angelegt: Sie adressieren konkrete Anwendungsfälle, sind aber methodisch so konzipiert, dass die zugrunde liegenden Ansätze auf weitere Tierarten, Haltungssysteme und Produktionsformen übertragbar sind.