Wohnraumpotenziale systematisch erfassen und nutzbar machen

Fokus digitale Stadtplanung

Digitale Methoden eröffnen neue Wege für die Stadtplanung: Luftbilder und Laserscandaten zeigen, wo Baulücken und Aufstockungen möglich sind. Die Ergebnisse fließen in ein QGIS-Plugin, das Kommunen wie Münster hilft, Wohnraumpotenziale schnell zu erkennen und faktenbasiert zu entscheiden.

Mehr Wohnraum durch digitale Potenzialanalyse

Die Stadt Münster steht wie viele Kommunen vor der Herausforderung, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Gleichzeitig bestehen in der Stadt ungenutzte Flächen – sogenannte Baulücken – sowie Gebäude, die über Aufstockungen erweitert werden könnten. Um dieses Potenzial systematisch sichtbar zu machen, beauftragte die Stadt Münster die Entwicklung eines Baupotenzialregisters. Ziel ist es, eine transparente, datenbasierte Grundlage für zukünftige stadtplanerische Entscheidungen zu schaffen.

© Fraunhofer IGD
Das Bild „Trainingsdaten Baulücken“ enthält einen Ausschnitt zu den verwendeten Trainingsdaten für die Baulückenerkennung. In Blau schraffiert sind manuell markierte Baulücken, rot hinterlegt sind Bereiche, die für eine Bebauung ausgeschlossen werden, grün sind unbebaute Bereiche die näher analysiert werden. Die rot/grün Unterscheidung basiert im ersten Schritt auf ALKIS Daten und wird als Startpunkt für das Modelltraining verwendet.
© Fraunhofer IGD
Zur Ermittlung des Aufstockungspotentials werden die Gebäudehöhen aus der Punktwolke vollautomatisch vermessen.
© Fraunhofer IGD
Zur Identifikation der Dachflächen wird die Punktwolke mit Gebäudeumringen aus dem Open-Data Angebot des Landes NRW verschnitten.
© Fraunhofer IGD
Diese dient als Grundlage zur Berechnung der Gebäudehöhe.

Künstliche Intelligenz macht verborgene Flächen sichtbar

Kern des Projekts ist ein KI-gestütztes Verfahren, das Luftbilder und Laserscandaten (Punktwolken) automatisch auswertet. Die so gewonnenen Informationen werden in standardisierten Geodatenformaten (GeoJSON) bereitgestellt und in ein QGIS-Plugin integriert. Damit steht der Stadtplanung der Stadt Münster ein direkt nutzbares Werkzeug zur Verfügung, das sowohl Baulücken als auch Aufstockungspotenziale verlässlich identifiziert. Der Open-Source-Ansatz sorgt zudem für eine hohe Übertragbarkeit auf andere Städte und Gemeinden.

Planungssicherheit für Kommunen – Vorteile für die Bevölkerung

Das Baupotenzialregister bietet eine erhebliche Vereinfachung gegenüber bisherigen manuellen Erhebungen und heterogenen Datenquellen. Es ermöglicht eine fundierte Kommunikation mit der Bevölkerung sowie eine faktenbasierte politische Entscheidungsfindung im Bereich Wohnungsbau. Die entwickelte Lösung soll langfristig auch anderen Kommunen zur Verfügung stehen. Mit der Kombination aus Künstlicher Intelligenz, Geodatenanalyse und einem leicht bedienbaren Software-Plugin leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur digitalen Stadtplanung und zur Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum.

Effizient umgesetzt, schnell verfügbar

Das Projekt startet im Juni 2025 und läuft über einen Zeitraum von sieben Monaten. Zentrale Meilensteine sind die Entwicklung des QGIS-Plugins, die erste Installation bei der Stadt Münster sowie die finale Übergabe und Präsentation der Ergebnisse gegen Ende des Jahres.