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Der Vorteil gegenüber herkömmlicher Visualisierung von Bildanalysen, wie man sie beispielsweise aus statischen Kartensätzen kennt: Die Datensätze verlieren nicht ihre Interaktivität.

Naturdokus stellen das Pflanzenwachstum meist im Zeitraffer dar, da Wachstumsprozesse zu beobachten eine ziemlich langwierige Angelegenheit ist. Landwirte hingegen leben von ihren botanischen Zöglingen und erweitern ihr bloßes Auge deshalb um Satellitenbilder – das Fraunhofer IGD unterstützt sie bei der anfallenden Datenverarbeitung.

Satellitenbilder sind nicht nur praktisch, sondern angesichts der Größe der Ackerflächen mittlerweile unabdingbar. Gepaart mit Sensordaten auf der Erdoberfläche liefern sie wertvolles Wissen über die Felder, zumindest in der Theorie. Praktisch werden jedoch so viele Daten generiert, dass systematische Analysen in vertretbarer Zeit kaum noch möglich sind. Das Fraunhofer IGD schafft Abhilfe – gemeinsam mit anderen Partnern im EU-Projekt DataBio: Ziel ist es, eine optimale technische Infrastruktur zu erstellen, um auf sehr große Datenmengen zugreifen zu können und diese anschließend zu verarbeiten und zu visualisieren.

Die Abteilung »Geoinformationsmanagement« des Fraunhofer IGD ist spezialisiert auf die interaktive und flüssige Nutzbarkeit von Big Data mit Raumbezug. Das sogenannte Precision Farming ist der aktuelle Ansatz, die Bodenbeschaffenheit räumlich hochauflösend zu ermitteln und den Ertrag der Fläche zu perfektionieren. Neben der regelmäßigen Datenerhebung fallen auch historische Daten ins Gewicht, um den zu erwartenden Erfolg der Aussaat zu prognostizieren. Die Informationen aus Fernerkundung und Sensorik werden gesammelt und an das Fraunhofer IGD weitergegeben. Mit unseren Technologien ermöglichen wir die hocheffiziente Speicherung und Verwaltung der Daten, gepaart mit innovativen Methoden zur Analyse und Erkundung. Der Vorteil gegenüber herkömmlicher Visualisierung von Bildanalysen, wie man sie beispielsweise aus statischen Kartensätzen kennt: Die Datensätze verlieren nicht ihre Interaktivität. Die Analyseergebnisse lassen sich für die individuellen Nutzeranforderungen nach Bedarf neu aggregieren, filtern und visualisieren, sodass punktuell spezifische Frage- oder Problemstellungen beantwortet bzw. analysiert werden können.

Ein Anwendungsfall auf Basis der neuen Technologien besteht darin, weitere Pflanzengattungen in den hiesigen Monokulturen zu orten: Nutzpflanzen haben jeweils spezielle Bedürfnisse an Boden und Licht. Deshalb sind ungewollte Mitnutzer den Landwirten ein Dorn im Auge. Satelliten sind imstande, Infrarotaufnahmen anzufertigen. Pflanzen reflektieren dieses Licht unterschiedlich, und so kann Wildkraut schnell ausfindig gemacht werden. Die Interaktivität beschränkt sich jedoch nicht auf einzelne Flächen, sondern kann sehr große Gebiete unterschiedlicher Landschaftstypen erfassen. In einem Pilotprojekt sind bereits Vegetationsanalysen über weite Teile Griechenlands interaktiv möglich.

Die Nutzung großer, heterogener Datenmengen fordert jedoch nicht nur die Landwirtschaft neu heraus. So können auch Behörden oder Versicherungen diese Technologie beispielsweise nach Naturkatastrophen einsetzen, um die betroffenen Gebiete zu identifizieren und sich im direkten Vergleich mit der vorigen Situation bei der Schadensanalyse unterstützen lassen.