Gewinner der 16. European Biometrics Max Snijder, Research and Industry Awards

Am 14. September 2022 zeichnete die European Association for Biometrics (EAB) junge Forschende für ihre herausragenden Arbeiten im Bereich der Biometrie aus. Eine internationale Jury wählte aus einer Vielzahl qualitativ hochwertiger Einreichungen drei Kandidaten aus, die ihre bedeutenden Beiträge in einem virtuellen Meeting vor der Jury, den EAB-Mitgliedern und der Öffentlichkeit präsentierten.

Fadi Boutros vom Fraunhofer IGD gewann in diesem Jahr den Biometrics Industry Award.

Der EAB Max Snijder Award wird an eine Forscherin oder einen Forscher vergeben, die bzw. der mit ihrer bzw. seiner Arbeit eine umfassende Perspektive einnimmt, um biometrische Anwendungen ganzheitlich zu betrachten. Gewinner dieses Preises ist João Ribeiro Pinto von der Universität Porto (Portugal) für seine Dissertation „Seamless Multimodal Biometrics for Continuous Personalised Wellbeing Monitoring“. In seiner Promotion befasst er sich mit Deep-Learning-Ansätzen für die biometrische Nutzung von Elektrokardiogrammen (EKG). Die Arbeit stellt Pionierleistungen im Bereich echter End-to-End-EKG-Biometrie vor und adressiert die Integration klassischer Pipeline-Prozesse, integrierter Templatesicherheit sowie Interpretierbarkeit. Die Ergebnisse zeigen, dass die vorgeschlagene Methodik auch mit herausfordernden, realistischen Daten eine verbesserte Performance und Robustheit bietet, ohne die biometrische Sicherheit zu vernachlässigen. Damit stellt die Arbeit eine vollständige Deep-Learning-Lösung für die EKG-Biometrie dar, die eine präzise, robuste und vielversprechende Grundlage für reale Anwendungen bietet und sich potenziell auf andere biometrische Modalitäten übertragen lässt.

Der European Biometrics Industry Award 2022 geht an Fadi Boutros vom Fraunhofer IGD (Deutschland) für seine Arbeit „Efficient and High Performing Biometrics: Towards Enabling Recognition in Embedded Domains“. Die Arbeit adressiert drei Forschungsbereiche: effiziente und leistungsfähige Gesichtserkennung, die aufkommende Herausforderung der Gesichtserkennung mit Masken sowie Biometrie in Head-Mounted Displays. Das Interesse an Biometrie auf leistungsschwachen Endgeräten wächst – so wird Gesichtserkennung bis 2024 in rund 2,1 Milliarden mobilen Geräten integriert sein. Die Entwicklung effizienter biometrischer Lösungen ist ein zentraler Enabler für mobile Anwendungen, da sie eine sichere Identitätsverifikation direkt auf dem Endgerät ermöglicht, ohne sensible biometrische Daten zur Entscheidungsfindung an einen Server zu übertragen. Ein weiterer bedeutender Anwendungsfall für recheneffiziente Biometrie ist der Automobilbereich. Die Dissertation schlägt Lösungen vor, die einen geringen Rechenaufwand und einen niedrigen Speicherbedarf erfordern, um eine breitere Nutzung biometrischer Verfahren in rechnerisch eingeschränkten Anwendungsszenarien zu ermöglichen. Zudem wird für die Herausforderung der maskierten Gesichtserkennung eine Lösung präsentiert, die die negativen Effekte des Maskentragens reduziert und die Erkennungsleistung verbessert. Diese Lösung baut auf bestehenden Gesichtserkennungsmodellen auf und vermeidet damit den hohen Aufwand eines erneuten Trainings. Darüber hinaus erhielt Fadi Boutros auch den Best Presenter Award.

Der European Biometrics Research Award 2022 wurde an Bernhard Prommegger von der Universität Salzburg (Österreich) für seine Arbeit „Finger Rotation Estimation and Correction in Finger Vein Biometrics“ verliehen. Die Arbeit adressiert eines der Hauptprobleme der Venenbiometrie: die Fehlpositionierung des Fingers während der Aufnahme, insbesondere die longitudinale Rotation. Übliche Erfassungssysteme nehmen während der Erkennung ein einzelnes Bild eines Fingers auf. Da die longitudinale Rotation weder bekannt ist noch zuverlässig geschätzt werden kann, ist es schwierig, Gegenmaßnahmen zur Verbesserung der Erkennungsraten zu ergreifen. Die Arbeit untersucht das Auftreten und Ausmaß der longitudinalen Fingerrotation in öffentlich verfügbaren Finger-Venen-Datensätzen. Darüber hinaus werden ein klassischer sowie ein CNN-basierter Ansatz zur Erkennung der Rotation zwischen zwei Finger-Venen-Proben vorgestellt und der Effekt einer Rotationskorrektur vor dem biometrischen Vergleich analysiert.

Die EAB Awards sind insgesamt mit 4.000,00 € dotiert, die unter den Gewinnern aufgeteilt werden. Die Finalisten erhalten zudem eine kostenlose einjährige Mitgliedschaft in der EAB. Die Preise wurden freundlicherweise von Idemia gesponsert.

Die Auswahl für den Research Award erfolgte auf Basis der akademischen und wissenschaftlichen Qualität der eingereichten Arbeiten sowie der Qualität ihrer Präsentationen. Eine separate Auswahl während der Finalpräsentationen bestimmte den Gewinner des Industry Awards. Kriterien hierfür sind neben dem wissenschaftlichen Niveau insbesondere Neuheit, Wirkung, Anwendbarkeit und weitere wirtschaftliche Aspekte.

Die EAB Awards werden jährlich an Personen vergeben, die von einer Jury international anerkannter Expertinnen und Experten als bedeutende Beitragende zur biometrischen Forschung in Europa bewertet werden. Ziel der Auszeichnungen ist es, Innovation und Forschung im Bereich Identität und Biometrie in Europa zu fördern.

Der Call for Submissions für den EAB Research and Industry Award 2023 ist auf der Website der European Association for Biometrics (EAB) verfügbar.