Durch die demographische Entwicklung steigen die Zahlen von pflegebedürftigen Mitmenschen, jedoch liegt ein zunehmender Mangel an Pflegekräften und Pflegeplätzen vor. Im Rahmen des Projekts GentleCare wird ein System zur Unterstützung ambulanter Pflegedienste entwickelt, welches einerseits die Pflegekräfte entlastet, andererseits ermöglicht, dass ältere Menschen länger selbstständig zu Hause leben können.
Selbstständig leben – auch bei wachsendem Unterstützungsbedarf
Viele ältere Menschen möchten so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung bleiben. Unterstützung wird jedoch häufig erst dann in Anspruch genommen, wenn gesundheitliche oder organisatorische Herausforderungen bereits stark zugenommen haben.
GentleCare verfolgt einen kooperativen Ansatz. Die digitale Pflegeassistenz begleitet Seniorinnen und Senioren bereits vor Eintritt einer Pflegebedürftigkeit und stellt je nach Bedarf eine zunehmende Unterstützung im Alltag zur Verfügung. Durch digitale Ansprache, Präventionsmotivationen und Kommunikationsangeboten werden Vernetzungen mit dem Pflegedienst möglich. Dadurch kann ein sanfter Übergang zu weiterführenden Unterstützungsleistungen ermöglicht werden.
KI als Bindeglied zwischen Pflege, Angehörigen und Senioren
Pflege findet nicht isoliert statt. Angehörige, Pflegedienste, Ärztinnen und Ärzte sowie die betreuten Personen selbst benötigen Informationen und Austausch.
GentleCare entwickelt hierfür eine neue Kommunikationsstruktur. Ein KI-gestütztes Assistenzsystem unterstützt den Informationsfluss zwischen den Beteiligten und hilft dabei, relevante Informationen bedarfsgerecht bereitzustellen. Angehörige können auf Wunsch eingebunden werden und erhalten einen besseren Überblick über Betreuung und Unterstützungsangebote.
Weniger Bürokratie, mehr Zeit für Pflege
Pflegekräfte stehen unter hohem Zeitdruck. Dokumentationspflichten, Arbeitsübergaben und organisatorische Aufgaben nehmen einen erheblichen Teil des Arbeitsalltags ein.
Im Projekt werden deshalb KI-basierte Werkzeuge entwickelt, die Dokumentationsprozesse vereinfachen, sprachgestützte Eingaben ermöglichen und Informationen für die tägliche Arbeit aufbereiten. Gleichzeitig sollen mehrsprachige Assistenzfunktionen die Zusammenarbeit in internationalen Pflegeteams unterstützen.
Gesundheitsveränderungen frühzeitig erkennen
Ein Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Entwicklung intelligenter Analyseverfahren zur Einschätzung des Gesundheits- und Unterstützungsbedarfs zur Vermeidung einer Heimeinweisung.
Dazu erforscht das Fraunhofer IGD Methoden der kontaktlosen Gesundheitsanalyse, digitale Modelle zur Beschreibung individueller Pflegeverläufe sowie KI-Verfahren zur Prognose zukünftiger Unterstützungsbedarfe. Ziel ist es, Veränderungen frühzeitig sichtbar zu machen und rechtzeitig geeignete Maßnahmen einzuleiten, um Pflegediensten die höchste Wirksamkeit ihrer Arbeit zu ermöglichen.