Multi-Biometrische Gesichtserkennung (GES-3D)

Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD

Multi-Biometrische Gesichtserkennung (GES-3D)

Die Gesichtserkennung ist eine unverzichtbare Methode bei der polizeilichen Personenidentifizierung. Die bisherige zweidimensionale Gesichtserkennung hat jedoch noch einige Hindernisse zu überwinden. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Identifizierung von Personen auf Foto- bzw. Videoaufnahmen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Begehen einer Straftat stehen, erfolgen soll und das Gesicht nicht in einer Frontalansicht aufgenommen wurde.

Das Ziel des Projekts GES-3D ist es, ein einfach zu nutzendes multi-biometrisches System für die Identifizierung von tatverdächtigen Personen aus Foto- bzw. Videodaten unter Einsatz von 3D-Gesichtsbilddaten zu erarbeiten. Mit diesem neuartigen Werkzeug sollen die Ermittlungsbeamten bei ihrer Arbeit unterstützt werden, indem eine Identifizierung auch aus partiellen Gesichtsbildaufnahmen mit minderer Bildqualität ermöglicht wird.

GES-3D Illustration

Zu den innovativen Lösungen in diesem Projekt zählt der Multi-Biometrie-Ansatz bei dem verschiedene biometrische Verfahren miteinander kombiniert werden. Gemeinsam mit dem Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein werden dabei datenschutzrechtliche Aspekte in die Entwicklung dieser Verfahren einbezogen. Der Multi-Biometrie-Ansatz umfasst einen neuartigen 3D-Kopfscanner, innovative biometrische Verfahren der (partiellen) 3D-Gesichtserkennung sowie der 3D-Ohrenerkennung. Für den 3D-Kopfscanner wird ein kostengünstiges und einfach zu bedienendes Erfassungsgerät konstruiert. Nach erfolgreichen Tests soll nach Zustimmung der Bundesländer eine 3D-Gesichtsdatenbank die bisherige 2D-Lichtbildsammlung der erkennungsdienstlich behandelten Tatverdächtigen ersetzen. Um den Abgleich nicht frontaler 2D-Aufnahmen mit der neuen Datenbank zu ermöglichen, werden innovative partielle 2D/3D-Verfahren realisiert. Als neues Merkmal für die Identifizierung wird die 3D-Ohrenerkennung erforscht und in das System integriert. Die Fusion dieser Verfahren zu einem robusten Gesamtsystem ergibt eine weitere Innovation des Projekts.

In Hinsicht auf die datenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen werden sowohl die Ausgestaltung des Gesamtsystems als auch deren mögliche Einsätze untersucht. Neben dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung werden auch Fragen bezüglich eines möglichen Missbrauchs, der Eignung für Personen mit eingeschränkten biometrischen Merkmalen sowie möglicher gesundheitlichen Risiken analysiert.

Das System soll nach dem Ende der Projektlaufzeit zur Marktreife weiterentwickelt werden und dann nationalen und internationalen Polizei- und Ermittlungsbehörden angeboten werden.

Programm "Forschung für die zivile Sicherheit" - Förderrichtlinie "Biometrie"

Projektträger: VDI Technologiezentrum GmbH

Warum fördert das BMBF das Thema Biometrie?

Biometrische Verfahren ermöglichen innovative Lösungen zur sicheren Authentifizierung und Identifizierung von Personen. Die bisher angewendeten Authentifikationssysteme, wie zum Beispiel Passwörter oder Pin-Codes, sind nicht immer sicher, da sie verloren gehen, gestohlen, gefälscht oder ausspioniert werden können. Aus diesem Grund besteht in vielen Bereichen des täglichen Lebens Bedarf nach verbesserten Sicherheitslösungen zum Schutz von privatem Eigentum, kritischen Infrastrukturen und zur Unterstützung von Ermittlungsbehörden. Diese Verbesserungen können einerseits durch neuartige biometrische Verfahren sowie andererseits durch eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit bzw. eine Erweiterung bereits bestehender biometrischer Verfahren erreicht werden, deren Erforschung mit dieser Bekanntmachung gefördert werden soll.

Innovative biometrische Verfahren können durch neuartige optische Technologien und verbesserte digitale Bildverarbeitung realisiert werden, während bereits bestehende Systeme zum Beispiel durch verbesserte Fälschungssicherheit sowie durch Kombination verschiedener Verfahren sicherer gestaltet werden können. Im Vordergrund stehen dabei Lösungen unter besonderer Berücksichtigung des Datenschutzes, der Ergonomie und der gesellschaftlichen Akzeptanz durch die Bürgerinnen und Bürger. Anwendungsmöglichkeiten sind zum Beispiel die Authentifikation von Personen für die sichere Zugangskontrolle zu sensiblen Infrastrukturen, sicherer Zahlungsverkehr sowie die Unterstützung von Ermittlungsbehörden bei der Personenidentifizierung.

Projektpartner und deren Aufgaben im Projekt

Ort

L-1 Identity Solutions AG

Gesichtserkennung unter Nutzung von 2D-/3D-Bilddaten

Bochum

Cognitec Systems GmbH

Erzeugung von 3D-Gesichtsrepräsentationen aus Videodaten 

Dresden

Polymetric GmbH

Erfassungssystem für die Gewinnung von erkennungsdienstlichen
3D-Lichtbildaufnahmen  

Darmstadt

Bundeskriminalamt

Spezifikation und Evaluation

Wiesbaden

Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD

Fusion von 2D- und 3D-Gesichts- sowie Ohrenerkennungsverfahren

Darmstadt

Hochschule Darmstadt

3D-Ohrenerkennung

Darmstadt

Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein

Datenschutzrechtliche Begleitung

Kiel